"Let´s
do some Quantities!" ist das Angebot eines Schlachtrufes bei
meinem Projekt "Inten.City". Und die Gruppe bricht auf und "lomografiert".
Dieser Begriff war eine Erfindung der Kamera-Firma Lomo aus Polen im letzten
Jahrhundert. Sie versuchten, ihre Kamera als Instrument zu vermarkten, das
ganz viele Fotos wie nebenbei schoss. Es war das erste Mal, dass mir die
Idee eines massenhaften Fotografierens als Spaß- gar Lust-Ereignis
begegnete. Aber erst mit den Nullkosten des digitalen Zeitalters griff ich
das 2010 in Madrid und wieder 2014 ab Erwerb eines Smartphones auf.
"Griff" ich es auf, oder greife ich das auch in Zukunft nochmals auf? Im
Prinzip gelangte ich bereits mit diesem Foto-Exzess in Luxemburg im Mai 2015 mit recht wenigen Bildern - etwa 200 - zu
meinem Ziel, in die Prinzipien des massenhaften Fotografierens
hineinzulauschen. Die Künstlergruppe um mich herum, alle mit dem nicht
zwingenden Auftrag, in zwei Tagen fünfhundert Fotos von Luxemburg zu
erzwingen, schoss da viel häufiger. Schon wenn ich meinen Mit-Fotografen
zusah, fiel uns gemeinsam auf: Jeder knipst das gleiche. In der Bilanz
erwarte ich, dass in Luxemburg etwa tausend Szenen von zehn Menschen in
fünftausend Fotos festgehalten wurden.
Das sind doch schon mal repräsentative Zahlen. Tausend dingliche, also ohne
Personen vorhandene Szenen in der Stadt Luxemburg, das mag bedeuten:
Frankfurt, Hamburg, München, Köln und Hannover bieten zweitausend Szenen.
Berlin viertausend und London, Paris, Rom und New York dann vielleicht
jeweils achttausend. Also wenn ich 2010 beim Durchmarsch durch Madrid 375
Fotos exponierte, so bleibt da noch Spielraum :-)
Was nun machen mit den Fotomassen? Ich denke, in Inten.City könnte ein Platz
damit ab der Dämmerung eines jeden Tages bespielt werden: Vier mindestens,
lieber acht Projektionsflächen stehen ringsum zur Verfügung. Es gibt auf dem
Platz eine oder mehrere Stationen, an denen die Menschen problemarm ihre
Bilder aus ihren Kameras oder Datenspeichern in die Speicher der
Projektionsgeräte laden können. Den Menschen wird angeboten, ihr Bild anonym
einzuladen unter Verlust ihres Urheberrechtes, oder mit ihrem Namen und
Adresse versehen unter Erhalt ihres Urheberrechtes. Es gibt eine
Aufsichtsperson, die jedes Bild kurz betrachtet und Obszönes sowie Werbung
verwirft. Die Projektionsflächen sind quadratisch und zeigen je nach Bedarf
waagrechte oder senkrechte Bilder.
Je nachdem, wie viel Filmanteil die Teilnehmer liefern, kann auch ein Teil
der Projektionsflächen für Filme verwendet werden. Diese Flächen müssen
nicht quadratisch sein, sondern können 2 : 3 oder noch breiter im Vergleich
zur Höhe auf Film abgestimmt sein.
Das Inten.City - Abendereignis auf einem Platz kann mit einer Präsentation
der gezeigten Bilder im Internet einhergehen.
Und wie interpretieren wir ein solches Projekt? "Spaß an der
Vervielfältigung, am Festhalten. Spaß am eigenen Beteiligen. Romantik der
Bilderflut am Abend. Botschaft der Gleichzeitigkeit von Vergangenem und
Gegenwart, von verschiedenen Orten der Stadt, von eigenen Werken und den
Werken anderer. Botschaft der allgemeinen Gemeinsamkeiten der Wahrnehmung
und der persönlichen Unterschiede. Selbstbestätigung durch Erlebnis der
Großprojektion des eigenen Bildes. Selbsterfahrung. Lernen des Umgangs mit
Medien."
Na, liebe Erzieher, Pädagogen, Therapeuten, Kulturmanager, Kulturkritiker,
liebe Teilnehmer schließlich, taugen einige dieser Stichworte euch als Basis
eines Beruhigtseins "es ist bedeutsam, es hat Botschaft, was ich da treibe"?
Dann nehmt sie. Ich erlaube mir zugleich damit, dass ich diese Veranstaltung
ausdrücklich vorschlage, auch das "Denken über das Blabla hinaus", die
kritische Reflexion, wie sie hier in meinen Begleittexten zu den eigenen
Fotos durchgeführt wird. Ich werde diese von mir vorgeschlagene "Inten.City"-Präsentation,
wenn es sie je wirklich gibt, genießen, aber auch den erschöpften Fotografen
raten: So, und jetzt einen Monat fast nichts mehr knipsen.
Eine Gruppe, die alle Aktionen umstreicht, bei denen das Volk auftaucht, möchte ich gerne
draußen lassen: Die Marketing-Haie. Ich will auf so einem Inten.City-Platz keine
Werbeparolen, nicht im Bild, nicht im Ton, nicht im Prospekt. Ich will, dass
das Projekt basierend auf Steuergeldern oder Spendengeldern stattfindet,
dass kein Autokonzern da sein Werbefahrzeug auf den Platz stellt. "Man kann
ohne Fremdwerbung leben und produzieren" ist ein politisch zu verstehendes
Bestreben, ist eine Botschaft meiner Kunst. Ich will keine
Werbe-Einblendungen in Filme von mir. Ich klebe sogar die Logos auf den
Instrumenten ab, die ich verwende. Respektiert das und weitet die Welten
aus, die werbefrei sind. Insbesondere für Menschen unter 18, und total in
Kinderwelten: No Commercial Logos! Ihr hab es geschafft, das Rauchen
einzudämmern. Weist auch der Werbung ihre Kanäle zu.
Oha, jetzt bin ich bei der Formulierung einer "Quantities"-Zukunft doch
glatt in meine stets vorhandene Seitengasse gelangt - dass die Kunst (und
auch die Religion übrigens) nur da Kunst zu bleiben schafft, wo sie nicht
mit Werbetexten unterwandert ist. Es geht da um die Eindeutigkeit einer
Botschaft. Fast jede Werbeeinblendung bricht die Eindeutigkeit einer
künstlerischen Botschaft.
Ansonsten alles klar? "Quantities" als Teil-Angebot im Rahmen von
Inten.City,
im Rahmen der künstlerischen Aufmischung einer Stadt, nachfolgend der
Methodik und ausweitend in den Themen, die ich hier mal, Luxemburg
durchstreifend, anriss - das behalten wir im Auge.
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Sorry, dear international visitors: The
text on the left side has precision. Such precision is not in reach for my
simple English, and of course out of the capacity of a translating robot. So
actually this side here just can be read in German language.

Oben: Digitales Phantaphoto von Chris
Mennel
"So stellten sich Leute des letzten
Jahrtausends die Zukunft vor - wer an solche uniformen Klötze heute noch
glaubt, wohnt in der
Provence" |